Silvester auf der "Genesis"

Didi & Peter Thumel (Bilder & Text D.&P. Thumel)

Schiffe gehören ins Wasser und sollen nicht in fragilen Gestellen an Land stehen, war in einigen Segel-Foren zu lesen, wenn es bei meiner Recherche um Wasserliegeplätze im Winter in Nordeuropa ging. Das schrieben allerdings Engländer und unsere niederländischen Nachbarn, die mit anderen Temperaturen im und über dem Wasser den Winter verbringen. Rückfragen bei der Hansewerft und im Yachtforum wie ein im Wasser Winterlager vorzubereiten sei, stießen auf Ungläubigkeit und Unverständnis, so nach dem Motto, das gibt es nicht, das macht man nicht. Erst eine Email an Arved Fuchs, der mehrere Überwinterungen mit der „Dagmar Aaen“ in Grönland erlebt hat, brachte viele brauchbare Tips zum Wohnen und Leben an Bord, zu den Seeventilen, der Toilettenver- und entsorgung und dem „Einfrieren“ im Hafenbecken.

Eine vorsorgliche Anfrage bei der Versicherung, ob ein Schaden bei Eis-/Frosteinwirkung anerkannt wird, wurde positiv beantwortet. Jetzt mußte nur noch ein Hafen gefunden werden, der Winter-Wasserliegeplätze in der Nähe vom Greifswalder Bodden anbietet, die auch im Winter attraktiv (maritim) sind. Die Entscheidung war schnell gefallen; denn die Auswahl war sehr dürftig:

·          Greifswald-Werfthafen am Auslieferungssteg der Hanse AG

·          Rostock , SAB Marina Brabow

·          Rostock-Warnemünde, Hohe Düne

·          Yachthafen Kühlungsborn

Unsere Entscheidung fiel auf die Hohe Düne; denn es liegen hier weitere 10 Yachten im Wasser, der Hafenmeister hat mit Überwintern Erfahrung; ein Servicepartner, Peer Kolberg von Ebert-Yachting schaut nach dem Rechten, der Strom bleibt am Steg eingeschaltet, das Schiff liegt am Schwimmsteg zwischen den Pfählen, die Sanitäranlagen sind geheizt und geöffnet (27 Duschen nur für uns), ein Internetanschluß steht bereit, eine Webcam überträgt Bilder vom Steg der Winterlieger und das Hotel bietet mit seinen gastronomischen und sportlichen Einrichtungen allen erdenklichen Komfort.
Hohe Duene im Winter

Ende Oktober fand die Überführung der Genesis von Greifswald nach Rostock mit Zwischenstop in Barhöft statt, die ich solo absolvierte. Abgesehen von der abenteuer-lichen Nachtansteuerung von Barhöft verlief der 2-Tagestörn ohne nennenswerte Zwischenfälle. Nur den vielen Dorschfischern mit den unsichtbaren Schleppnetzen mußte ich am nächsten Tag mehrmals ausweichen. Ich war allerdings am Vorabend von einigen Fischern vorgewarnt worden, die mit einer Flotte von nahezu 30 Kuttern den Hafen von Barhöft in Beschlag genommen hatten. Die Ansteuerung von Rostock ist im Dunkeln wie das Ansetzen zur Landung mit einem Flieger. Ein Tonnenstrich mit Richtfeuer über 8 sm und stündlich eine ein- bzw. auslaufende Fähre zeigen deutlich den Weg. Die auf Reede liegenden Frachter irritierten mich zunächst. Erst unter Radar war ersichtlich, wie weit außerhalb der Fahrrinne sie ankerten. Der Anleger im fremden Hafen war dank zwei aufgesetzter LED-Stirnlampen unspektakulär. Diese Lampen sind das Beste seit es Taschenlampen gibt. Ohne mich selbst zu blenden, sehe ich alles in meiner Blickrichtung liegende und das auf über 50m Distanz. Die Winterlieger legen, wie im Mittelmeer, römisch-katholisch an. Das ist viel praktischer zum Be- und Entladen und eine ebene Höhe zwischen Steg und Badeplattform verspricht weniger Rutschpartien beim Übersetzen mit Schnee und Frost.
Eis in Hafen

Ich hatte mir vorgenommen, das eine oder andere Wochenende bis Weihnachten zum Segeln zu nutzen. Wind und Wetter hätten im November gepaßt, aber beruflich konnte ich das Wetterfenster Ende November nicht nutzen und mußte diese Gelegenheit verstreichen lassen. Also blieb Weihnachten und/oder Silvester. Aus dem „und“ wurde ein „oder“; denn Weihnachten blieben wir im Kreis der Familie und so enterten wir am 27.12.2008 das Schiff mit dem Versprechen nicht zu segeln. Als Alternative zur sportlichen Betätigung auf dem Wasser haben wir unsere Drahtesel zum Landgang mitgebracht.

Unsere Radtouren brachten uns u. a. nach Rostock in die Innenstadt. Allerdings führte der Radweg die meiste Zeit durch ein nicht gerade sehenswertes Industrie- und Hafengebiet, so daß wir für den Rückweg die S-Bahn in Anspruch nahmen. Warnemünde Hafen oder „Alter Strom“ kenne ich nur mit Päckchenliegern und viel Unruhe. Welche Beschaulichkeit jetzt im Hafen herrscht, ist unbeschreiblich.
Warnemünde Alter Strom

Ohne Fisch und anderes Getier komme ich aus keinem Fischerhafen heraus und so landeten einige Muscheln im Backofen.
Frsiche Muscheln überbacken So lebt man auf der Hanse 370


Bei einer Radtour durch die Rostocker Heide sind wir bis Graal-Müritz gekommen. Im Aquadrom ging es in die Sauna zum Aufwärmen. Leider war nur die Sauna der einzige Ort, in dem es nicht nach dem Frittenfett des Bistros roch, daß offen auf dem Balkon über der Badelandschaft seinem Namen keine Ehre machte und wir schnellsten Reißaus nahmen. Dann lieber an die frische Luft und frei atmen.

Der Rückweg durch die Torf- und Moorlandschaft abseits des Ostseeradweges hat uns derartig begeistert, daß wir diesen Weg im Neuem Jahr ein zweites Mal abfuhren. Den 29.12.08 nutzten wir zur Überfahrt mit der Fähre als Fußgänger nach Gedser. Wenigstens einmal auf dem Wasser fahren. In den 4 Stunden der gesamten Fahrtzeit wurden wir zu Sehleuten. Eine ganz andere Sicht ist es aus über 20m Höhe eine Ansteuerung zu erleben. Diese Übersicht möchte ich auch bei meinen 2m über N.N. auf der Genesis haben.

Der Silvestermorgen erwartete uns mit einer dünnen Eisschicht im Hafenbecken. Wer hätte gedacht, daß Ostseewasser bei –8°C Außentemperatur einfriert. Die ermittelte Wassertemperatur von „Warnemünde Port“ wurde mit +4° C im Internet angezeigt.
Kalt aber Wunderschön

Mit etwas Schaukeln und an den Tampen ziehen war das umliegende Eis gebrochen. Es war nur 2mm dick. Die Luft im Schiff konnten wir mit der „Ostseesonne“ auf gemütliche 22-25°C halten. Die Luftfeuchtigkeit mit 15% haben wir durch häufiges Stoßlüften nach dem Kochen und Trocknen der Handtücher gehalten.

Es bildete sich so gut wie kein Schwitzwasser an den Luken und die Bilgen blieben trocken. Nur am Materialübergang Epoxy zu Messing an den Ventilen bildete sich eine Kondensatschicht, die wir regelmäßig abwischten. Silvester steht  heute auf dem Programm. Beim Durchforsten der Notsignaltonne finde ich im März 2009 ablaufende Handfackeln und Fallschirmraketen. Von den vier Handfackeln sind nur 2 zu entzünden, die beiden anderen müssen noch vor Ablauf des Verfallsdatums entsorgt werden.
Seenotfackeln

Die Fallschirmraketen lasse ich außer Konkurenz zu dem fantastischen Feuerwerk, das vor dem Hotel Hohe Düne gezündet wird, gleich nach Mitternacht in Richtung Land hochgehen.

Am Neujahrstag erwartet uns ein noch schöneres  Highlight. Der Leuchtturm Warnemünde steht in „Flammen“ und wird mit einer Lasershow und einem Feuerwerk gefeiert. Am letzten Ferientag erwartet uns zum Ausgleich ein sonniger kalter Tag zur Strandwanderung in Richtung Kühlungsborn.

Die mutigen Kite-Surfer üben heute auch im Trocknen und setzen Ihre Segel am Strand und versuchen dann die Steuerung des Schirmes ohne Brett auszugleichen. Nach so vielen Kilometern per pedes setzen wir mit der Hotel Barkasse über die Warnow über. Zum Abschluß unserer Zeit in der Hohen Düne bleibt heute einmal die Bordküche kalt.

Der Morgen beginnt mit schönen Bildern und dem Packen unseres Gepäckes.

Jetzt sind alle Wasserleitungen zu entleeren, und die Einlaßventile zu schließen und leer zu saugen. Im Anschluß fülle ich Scheibenkonzentrat bis –20° C aus dem Autozubehör in den Kalt- und Warmwassertank und ebenso in den Fäkalientank. Einmal Ansaugen bis die blaue Flüssigkeit an allen Leitungen austritt und verschließen. Auf das Klo kommt nach dem Abpumpen noch der Rest aus der Rumflasche in die Windungen des WC´s und so verfahre ich auch mit der Seewasserzuleitung in der Pantry. Die Seeventile vom Motor sind bereits beim letzten Mal geschlossen und der Kühlwasserkreislauf entleert worden. Der innere Kreislauf ist auf –20° C gespindelt. Wir haben den Motor nicht genutzt; aber es sind dennoch über 20 l Diesel von der Ostseesonne verbraucht worden, die aus dem Kannister nachgefüllt werden.

Unser Resümee:

Auf dem Schiff ist es im Winter auch bei Dauerfrost auszuhalten. Vorausgesetzt ist eine ständig laufende Heizung, in unserem Fall ein Ölradiator, der im Salon steht und wenig Strom verbraucht. Zum Aufheizen und Durchpusten nach unseren Ausflügen und am Morgen haben wir die Ostseesonne (Dieselheizung) angeworfen. Das ständige Rauschen des Gebläses hat uns von einem Dauerbetrieb abgehalten. Die sanitären Anlagen im Hafen sind geheizt und wurden täglich gereinigt. Neben der Genesis waren 2 weitere Segelboote und ein Motorboot über die Jahreswende mit Familien und Kindern bewohnt, also sind wir nicht die einzigen Genießer gewesen.

Didi & Peter Thumel

SY Genesis

Hier der Link zur Hanse 370e Genesis bei PCO.