Eine Woche auf der First 36.7 "Louise"

Sonnenuntergang auf der LOUISE „Louise“

Ein Törnbericht von Jan Christopher Lütt (Bilder & Text J.C. Lütt)

Beim Sport sehen wir uns wöchentlich, Sibylle und Werner, sowie Birte und ich. Beim Stammgriechen kam das Gespräch auf das Segeln und der Entschluß, es einmal auf einem Charterschiff miteinander das Segeln zu versuchen, wurde mit einem Ouzo besiegelt.  Damit ging auch die Suche nach einem Anbieter mit einem passenden Schiff los.  Auf der Hanseboot fand sich nichts richtiges, doch auf der Webseite von PCO lächelte uns eine brandneue Bavaria 31 Cruiser in Flensburg an, die zum geplanten Zeitpunkt auch verfügbar war.

Kurzentschlossen  haben wir das Schiff reserviert, jedoch beim genauen Studium der Spezifikation festgestellt, daß das Schiff ausschließlich eine Rollgenua hat. Für die Wetterverhältnisse im Juni war uns das nicht ausreichend. Hr. Uhlig konnte uns aushelfen, eine First 36.7 „Loise“ hatte die entsprechende Ausstattung mit einer Normalfock. Die Testberichte des Schiffes sprachen von einem Schiff mit dem Schwerpunkt auf guten Segeleigenschaften,  so daß wir uns handelseinig wurden und das Schiff ab Laboe gechartert haben.

Übernahme

Im Chartervertrag war die Übernahme für den Sonnabend morgen festgelegt, in der Absprache mit dem Stützpunktleiter Hrn. Kiehn, stellte sich jedoch heraus, daß wir das Schiff schon am Freitagabend übernehmen konnten.

Diese Chance haben wir mit Freude wahrgenommen und sind am Freitagabend mit einem randvollen Auto nach Laboe gefahren. Die Abarbeitung der Checkliste gestaltete sich mit Hrn. Wasilewski von PCO sehr kooperativ und wir konnten uns auf einem Schiff ausbreiten, das sich in einem guten Zustand befindet.

Die First 36.7 bietet für 4 Personen genug Platz; mit 6 ausgewachsenen Seglern könnte es problematisch werden. Die Achterkammern sind für Paare durchaus geeignet, die eine Hälfte sollte nur nicht über 1,70 lang sein. Die Betten im Bug sind ebenfalls ungleich lang, was für normale Mitteleuropäer schwierig werden kann. In den verschiedenen Schapps und Staufächern kann man seine Utensilien unterbringen. In der Naßzelle fehlen Haken / Staumöglichkeiten für das Ölzeug. Wir haben daher hauptsächlich aus unseren Taschen gelebt.

Die Pantry ist sehr gut und vollständig ausgestattet; die Kühlbox hat 3 Körbe, so daß man das Proviant für ca. 1 Woche / 4 Personen gut konserviert stauen kann. 
Unter den Salonbänken befinden sich die Wassertanks, so daß der Stauplatz dort sehr begrenzt ist; unter der Vorschiffskoje ist ein großer Stauraum, der allerdings teilweise durch Spi und Arbeitsfock belegt ist.

Backskisten sind Mangelware; es gibt nur an Steuerbordseite eine verfügbare Backskiste, die mit Schläuchen, Badeleiter, Kabeln, Schruber, Pützen, Heckanker mit Leine etc. schon zu ¾ gefüllt ist.

 

Kurs Sonderburg

Am Morgen zeigt sich ein phantastisches Wetter, Karibikfeeling in der Ostsee. Ein Ostnordost 3 -4 erlaubt uns, den Kurs auf Sonderburg abzustecken. Das Auslaufen aus der Baltic Bay, an der die „Louise“ am Schwengel liegt, ist unproblematisch, zudem die „Loiuse“ mit dem Heck zum Steg liegt. Für das erste Manöver mit einem noch ungewohnten Schiff ist das eine freundliche Geste des Vercharterers. 
Mit Maschine geht es über das Fahrwasser der Kieler Förde auf die Friedrichsorter Seite, wo wir die Segel setzen.

Großsegel und Genua zeigen sich in einem sehr guten Zustand und die „Louise“ läuft unter dem sonnigen Ostseehimmel gen Norden. Den mäßigen Winden zum Trotz sind 5 Knoten Fahrt die Untergrenze. Das Schiff läßt sich mit 2 Fingern steuern und verhält sich in der alten Dünung (nach 3 Wochen Ost 5-6) gutmütig. Als gegen Nachmittag der Wind etwas abflaut, nehmen wir die Dieselgenua zur Hilfe,  bis sich in Höhe Kalkgrund wieder eine Brise einstellt. Zeitweise werden wir von 2 – 3 Tümmlern begleitet, die ihre Tauchübungen parallel zum Schiff ausführen.Bis nach Sonderburg können wir unter Segeln laufen und finden dort einen Liegeplatz am Kopf des Steges. Später legt sich noch ein Flensburger Charterschiff mit 6 Seglern ins Päckchen neben uns. Die Kollegen haben eine Schiff eines anderen bekannten deutschen Vercharterers gebucht. Es hatte bei Übernahme so viele Mängel , daß ein Ersatzschiff benötigt wurde.

Wir hingegen können den Tag nach einem guten Essen aus der Bordkombüse mit einem Rotwein im Cockpit zufrieden abschließen.

Die Südsee liegt in Dänemark

Zunächst nutzen wir das warme Ostseewasser (16°) zu einem erfrischenden Bad am Strand. Abgekühlt genießen wir ein leckeres Frühstück mit dänischen Backwaren, die wir im Shop am Campingplatz erstanden haben. Die Männer sind, wie wohl auf allen Charterschiffen, für den Abwasch zuständig. Das ist allerdings äußerst unproblematisch, da wir fließend heißes Wasser aus dem Heißwasserboiler an Bord haben. Nicht einmal die schwachbrüstige Absicherung von 2 Ampere macht uns Probleme, was für eine sorgsamen Umgang mit der Energie an Bord spricht.

Der Jockel schiebt uns dann durch die Klappbrücke von Sonderburg in den Als Sund.

Wir sind froh, daß uns ein schwimmender Untersatz zur Verfügung steht, da die Hitze über dem Land steht. Der Als-Sund zeigt sich von seiner zauberhaftesten Seite. Die schönen Landsitze strahlen in den Morgensonne. Viele Dänen haben sich vor Anker an die Ufer des Sundes gelegt und genießen den schönen Tag.

Am Ausgang des Sundes setzt auch eine Achterstagsbrise ein und schiebt uns in Richtung Åro. Wir baumen die Genua mit Hilfe des Spi-Baumes aus und kommen mit den Schmetterlingssegeln gut voran. Die „Louise“ läuft bei Leichtwind erstaunlich gut. Wir begrüßen eine „Opferannode“ nach der anderen.

Die guten Segeleigenschaften bezahlen wir mit dem großen Tiefgang von ca. 2,20m. Daher können wir nicht nach Åro laufen, wie wir es gerne gemacht hätten, sondern drehen nach Backbord nach Årosund ab. Dort finden wir ein nettes Plätzchen in einer ausreichend großen Box und gehen schwimmen. Nach dem Abendessen holen wir unseren Laptop heraus und können über DVB-T und TV2 das EM Spiel der Deuschen gegen Polen sehen. Eine andere Crew am Steg gegenüber versucht das Spiel über das Fernglas auf unserem Laptop mit zu verfolgen. Zum Einladen ist unser Dampfer etwas zu klein; zu viert paßt das Cockpit gut, mit sechsen mag es gehen, danach wir es zu eng.

Dänische Südsee
 
Richtung Faaborg

Obwohl wir ein schnelles Schiff haben, verzichten wir auf „Rund um Fünen“ und laufen Kurs Südost in Richtung Südsee zurück. Das Wetter bietet uns den dritten Sommertag in Folge; mit Sonne ohne Ende und mit schwachen Winden. Zeitweise wünschen wir uns einen Sonnenschirm im Cockpit und suchen bei eingeschaltetem Autopiloten Schutz im Schatten der Segel. Auch die Cockpitdusche leistet uns gute Dienste. Zu einem Bad von Bord ist es leider noch etwas zu frisch in der Ostsee. Wir blicken sehnsüchtig auf Lyö und andere kleine Häfen, die wir aufgrund des Tiefgangs unserer „Louise“ nicht anlaufen können. Im Fahrwasser nach Faaborg frischt der Wind auf und wir haben den Eindruck, daß wir mit unseren 7,38 Knoten Rumpfgeschwindigkeit am Wind der nahenden Fähre fast weglaufen können. Wenn da man nicht der Wunsch der Vater des Gedanken ist.

In Faaborg finden wir einen Liegeplatz in einer Box im Handelshafen. Der Hafen ist fast leer und die Atmosphäre ist friedlich. Die pastellfarbenen Gebäude am Hafen werden durch die Sonne in ein geradezu mediterranes Licht getaucht. Da bleibt der Crew nur, umgehend ein Eis in der Fußgängerzone zu essen. Danach gibt es frischen Räucherfisch, den wir im Cockpit an unserem klappbaren Campingtisch zu genießen.

Das Wetter ändert sich

Wind kommt auf

Am Morgen zeigen sich Wolken und es ist kälter geworden. Die Wetterfrösche sind sich nicht einig und wir entschließen uns dazu, die Genua gegen die Arbeitsfock auszutauschen. Dazu verlegen wir die „Louise“ aus der Box auf die andere Seite des Steges, so daß der Bug im Wind steht. Danach startet die Zähmung des Ungeheuers. Auf See ist ein derartiger Vorsegelwechsel nahezu undenkbar, da man den Segelhals nur mit Hilfe einer 13 Nuß gelöst bekommt. Dazu benötigt man den an Bord befindlichen Werkzeugkasten, der auch Steckschlüssel enthält. Leider befinden sich keine Mittel zur Segelreparatur an Bord, kein Garn und kein Tape.

Nach einer halben Stunde ist die Fock oben und aufgerollt und die Genua unter der Vorschiffskoje gestaut. Wir legen ab und stecken das erste Reff dieser Reise ins Groß.

Wir laufen in Richtung Svendborgsund und stellen fest, daß der dänische Wetterbericht mit seinen 6 eher Recht hatte, als der DWD, der von 4 -5 sprach. Wir rauschen raumschots mit 7 – 8 Knoten auf dem Speedometer in Richtung Osten. Ein paar größere Bavarias werden ohne Trimmanstrengungen überholt und wir laufen bei 6 Bft.  und schiebendem Strom in den Sund ein. Die Sonne legt die Rantzausminde unter eine phantastische Beleuchtung unter einer zunehmende Bewölkung. An einer ruhigen Stelle im Fjord stecken wir das Reff 2 ins Groß, da wir im RudköbingLöb höher an den Wind gehen werden.

Kaum sind wir aus dem Schutz des Sundes heraus, wird die Straße holperig. Bei 6 Windstärken laufen wir mit 7 Knoten auf die Ansteuerungstonne des RudköbingLöbs zu und luven dann an. Glücklicherweise bleibt uns das Kreuzen in dem engen Fahrwasser erspart und wir können die gesamte Strecke mit halben Wind oder etwas spitzer laufen. Die „Louise“ macht sich gut und liegt sehr ausgewogen auf dem Ruder.

Die Fähre aus Marstal erreicht Rudköbing kurz bevor wir es passieren. Am Ende des Fahrwassers kommt sie auf ihrem Rückweg nach Marstal von achtern auf und läßt uns etwas schwitzen; wir erreichen das Ende des engen Fahrwassers jedoch klar vor der Fähre, so daß uns das Jonglieren auf dem Tonnenstrich erspart bleibt.

Um die Ansteuerung Marstal anliegen zu können, müssen wir bei 6 Bft. alles an Höhe aus der „Louise“ holen, was drin ist. Gegen die häßliche steile See gelingt es uns, ca. 3 Kabellängen in Lee der Ansteuerungstonne herauszukommen, wo wir den Motor anwerfen und die Segel wegnehmen.

Wir laufen den Handelshafen an, da uns die Wassertiefe in der Marina bei den augenblicklichen Windverhältnissen (von Nordost 3 auf West 6 gedreht) nicht geheuer ist. Das versteht auch der Hafenmeister und läßt uns dort in Frieden liegen.

Die Einlaufzermonie fällt nach dem eindrucksvollen Tag etwas üppiger aus, so daß wir uns mit einem RistedHotdog als Abendessen begnügen. Völlig erschöpft fallen wir in die Polster.

Hafentag

Der Wind ist immer noch um die 6, mit ein paar kräftigen Schauerboen. Daher ist ein Hafentag im beschaulichen Marstal angesagt. Seefahrtsmuseum, Innenstadt, Steilküsten und Strände locken uns an einem wildromantischen Tag, den wir mit einem Resteessen beschließen.

In die Schlei

Der Wind hat etwas abgenommen und das Charterende droht. Es gibt ein letztes „dänisches“ Frühstück mit den geliebten Blätterteigbrötchen, dänischem Joghurt und duftendem Kaffee. Nach dem Aufklaren setzen unseren Kurs auf die Schlei ab. Es gilt gegen den immer noch steifen Westwind aufzukreuzen. Im Vorhafen setzen wir die Segel, immer noch mit dem Reff 2 und der Arbeitsfock und drehen in das Fahrwasser ein.

Hinter der Ansteuerungstonne gehen wir hoch an den Wind. Die „Louise“ läuft mit 5 – 6 Knoten und ist auch für die Schauerboe, richtig besegelt. Keine Spur von Luvgierigkeit; die Boe läßt sich bei 7 Knoten Fahrt aussteuern. Nachdem die Boe durch ist, läßt der Wind nach und wir müssen ein Reff ausschütten. Der Wind dreht südlich und wir machen unseren Schlag gegen Norden. Nachdem der Wind zurückdreht, läßt sich die Ansteuerungstonne vor Schleimünde anliegen und Erleichterung macht sich breit; keine ermüdende Kreuz ist notwendig. Das Wetter bessert sich und wir laufen in der Sonne auf die Ansteuerungstonne zu, an der wir die Segel herunternehmen und unter Maschine gegen den West nach Maasholm einlaufen. Die Giftbude lockt mit leeren Boxen, doch wir trauen uns dort mit den 2,20m Tiefgang nicht herein.

Auch Maasholm ist relativ leer. Wir legen uns an die Außenmole, an der die „Louise“ beim West jedoch unruhig arbeitet. Daher suchen wir uns eine Box am ersten Steg, wo wir dann wie in Abrahams Schoß liegen.

Nach der Wiederherstellung des äußeren Menschen in den Luxusbadestuben (hohe Duschgebühren!) von Maasholm begeben wir uns in die Seglerbörse, in der ein Haufen knusprig gebratener Schollen zu leckeren Bratkartoffeln auf uns wartet. Die deutsche Niederlage gegen Kroatien können wir akustisch verfolgen und sind uns sicher, nicht allzuviel verpaßt zu haben. Heute geht es früh in die Koje, da am Freitag die Schiffsrückgabe ansteht, die bis 16:00h in Laboe zu erfolgen hat.

Die letzte Etappe

Der Wecker klingelt schon vor dem Aufstehen und wir erfreuen uns ein letztes Mal an einem Frühstück im Salon der „Louise“; diesmal allerdings mit deutschen Backwaren. Der Wind ist moderat, allerdings sind Schauer- und Gewitterboen angesagt, so daß im Vorhafen Arbeitsfock und Groß gesetzt werden. Vor dem Wind geht es nach Schleimünde. Auf dem Südkurs laufen wir mehrere andere Yachten auf und fallen dann nach dem Sperrgebiet mit Kurs Bülk ab.

Der erste Schauer bringt noch keinen Wind mit sich, es wird nur etwas ungemütlich. In der Eckernförder Bucht erwischt uns dann eine Boe mit ca. 6 Bft. Wir laufen raumschots und die „Louise“ beschleunigt auf 9 Knoten. Mit Rauschefahrt geht es auf Laboe zu. Kaum ist Bülk passiert, flaut der Wind auf 3 Bft. ab, so daß das Segelbergen vor Falckenstein ein Kinderspiel ist.

Etwas problematischer ist das Anlegen rückwärts an den Schlengel, der an der Stegseite einen üblen Winkel hat, den man mit dem Boot meiden sollte. Das Festmachen und Abfendern ist etwas zeitaufwendig, aber danach ist der Einlaufschnaps verdient.

Die Schiffsübergabe erfolgt problemlos, einziger Schaden ist eine zerbrochenes Kursdreieck, das wir im Shop in der Baltic Bay neu kaufen.

Die „Louise“ hat uns in einer Woche über ca. 180 NM geführt und war jederzeit gut zu beherrschen. Es handelt sich um ein Boot, das zum Segeln gebaut ist. Es gibt bessere Wohnwagen auf dem Wasser, aber wenig Charterboote, die besser zu segeln sind.  Das Boot war in einem guten Zustand und wir haben uns von PCO gut betreut gefühlt.

First 36.7

Hier der Link zur FIRST 36.7 Louise bei PCO.