Ein Sommertörn auf einer handlichen Yacht durch die Boddengewässer ab Barth

Segeltörn MVP 2015 – Boddengewässer – Yacht „Brainstorm“ – 12.9. bis 19.9.2015

(Text und Bilder von Ulrich Scheithauer)

Wir, vier männliche Segler im besten Alter, kommen aus NRW und haben schon einige Segelurlaube auf der Ostsee und im Mittelmeer gemeinsam erlebt.

Nach den letzten Törns im warmen Süden hat uns in diesem Jahr mal wieder der Norden gereizt. MVP mit seinen herrlichen Boddengewässern am Darß und um Rügen sollte uns eine Woche im September 2015 einmal die Segelmöglichkeiten in diesem Revier offenbaren.

Die Vermittlungsagentur, das Schiff:

PCO, als etablierte Charterorganisation auch für den gesamten Ostseeraum, war uns sehr behilflich, das passende Boot für dieses Revier zu finden. Es sollte ausreichend Platz für vier Personen bieten und auch für das Boddengewässer mit seinen geringen Wassertiefen zum Segeln geeignet sein. Die Wahl fiel auf eine Feeling 346 mit Hubschwert und Liegeplatz im Yachthafen der Vineta-Stadt  Barth, am südlichen Ufer des Barther Boddens.

12.9. – 1. Chartertag – Anreise mit PKW – Barth

Im Barther Hafen gingen wir am 12.9. an Bord und die umfangreiche Einweisung fand dann durch den Stützpunktleiter noch am Ankunftstag statt. Das nicht mehr ganz junge Boot (Bj. 1992) machte einen guten Eindruck auf uns und zeigte sich in einem recht guten Zustand. Pünktlich erhielten wir auch ein angemietetes Klappfahrrad vom örtlichen Fahrradhändler Zietzmann zu unserem Liegeplatz geliefert. Anmerkung: Es stellte sich am Ende heraus, dass die Einkaufsmöglichkeiten in den Häfen doch besser waren als erwartet und somit haben wir das Rad bis zur Rückgabe nicht einmal benutzt.

Sanitäreinrichtungen im Hafen :Im Osthafen steht uns eine Nasszelle (Toilette mit Dusch- und Waschgelegenheit) in einem futuristischen Gebäude zur Verfügung. Die Anlage ist sauber, dürfte aber bei vollem Hafen zu Warteschlangen führen.

Gastronomie in der näheren Hafenumgebung: Kein Mangel an Gastronomie mit guten Angeboten. Im Westhafen hat uns der „Boddenkieker“ gefallen mit seinen schmackhaften Fischgerichten. Zum Bäcker in der Stadt kommt man in 5 Gehminuten.

13.9. – 2. Chartertag – Barth nach Barhöft – 15 sm

Am Morgen war der Himmel bedeckt und es regnete leicht, die Leinen wurden losgeworfen und dann ging es mit Motorkraft auf den Weg nach Barhöft, einem nicht zu fernen Ziel an der Landspitze zum KubitzerBodden. Zugegeben kein großer Schlag, aber wir wollten ja im Grabower Bodden endlich auch die Segeleigenschaften unseres Bootes kennen  lernen und „Meilen fressen“ war sowieso nicht angesagt.

Zusammenfassend kann man sagen, die Segeleigenschaften der Feeling sind gut, nur um bei Rückwärtsfahrt unter Motor ausreichend Ruderwirkung zu bekommen, bedarf es reichlich Fahrt, sonst dominiert der Radeffekt des Antriebes. Rückwärtsfahrt will also geübt sein. Segel, Reffvorrichtungen von Groß und Genua, sowie laufendes und stehendes Gut waren tadellos.

Auf der Fahrt nach Barhöft wurde uns die Notwendigkeit sorgfältiger Navigation und Kurseinhaltung vor Augen geführt, denn stellenweise gingen Flachwassergebiete bis direkt an die Fahrinne. Trotz aller Vorsicht gab es dann doch noch eine leichte Grundberührung bei der Einfahrt in die Rinne zum Barhöfter Hafen. Wir kamen aber dank des flachen Unterwasserschiffes und des bereits zu 2/3 gefierten Schwertes leicht wieder frei. Zur Ehrenrettung unseres Steuermannes muss gesagt werden, dass die Seezeichen zur Peilung der Ansteuerung im Barhöfter Hafen leider außer Funktion (eingehüllt für Malerarbeiten) waren. Außerdem halten wir  die Betonnung der Rinne für äußerst sparsam. Also bitte liebe Seglerfreunde, achtet unbedingt auf die RGR-Tonne mitten im Kreuzungsbereich der Fahrrinnen und geht nahe an diese Tonne heran, bevor ihr auf 229°, bzw. auf euren missweisenden Ansteuerkurs geht! Der Strom besonders bei Ostwind, ist auch nicht zu unterschätzen!

Nachdem wir am frühen Nachmittag im Barhöfter Hafen festgemacht hatten, zeigte sich erstmalig ein Schwäche der Bordelektrik, denn der Motor ließ sich nur über die Notabschaltung zur Ruhe bewegen. Sporadisch sollte dass noch einige Male in unserer Charterwoche passieren.

Sehenswürdigkeiten: Der Barhöfter Hafen wird von der Berufsfischerei, aber auch stark von Sportanglern genutzt. Ein Gang zum Aussichtsturm (Fußweg 500 m nach Norden) ist lohnenswert, denn nach dem Aufstieg hat man einen fantastischen Rundblick über die Ausfahrt aus dem Bodden, den Bock, Hiddensee und die nahe Ostsee.

Sanitäreinrichtungen im Hafen :Toiletten und Waschgelegenheiten sind in getrennten Räumen, sauber und ausreichend vorhanden.

Gastronomie in der näheren Hafenumgebung: Im Hotel Seeblick am Hafen gibt es Gutes gegen Durst und Hunger. Auch der Internet-Zugang ist hier möglich.Erfrischungsgetränke, Snaks und Brötchen zum Frühstück gibt’s im Hafenkiosk. Fischbrötchen werden auch an einem mobilen Stand im Hafen verkauft.

14.9. – 3.Chartertag – Barhöft nach Vitte-Langeort– 21 sm

Der Tag führte uns bei herrlichem 4-5er Segelwind aus Ost, hinaus auf die Ostsee. Bei wenig Welle konnten wir vor Hiddensee wunderbar segeln. Unterschiedliche Manöver wurden gefahren, so wurden wir alle schnell mit den spezifischen Segel- und Steuereigenschaften des Bootes vertraut. Mit einigen Kreuzschlägen wurdedie Nordspitze von Hiddensee umrundet, dann war es wieder mit der Segelei vorbei. Im vorgegebenen Fahrwasser ging es in den Hafen von Vitte auf Hiddensee.

Sehenswürdigkeiten: Leuchtfeuer Dornbusch, Gerhard Hauptmann Wohnhaus in Kloster und viel Natur auf dieser autofreien Insel.

Sanitäreinrichtungen im Yachthafen : Toiletten und Duschen ausreichend vorhanden und sehr sauber.

Gastronomie in der näheren Hafenumgebung: Mit einem kleinen Fußmarsch in den Ort bekommt man alles was eine Crew so benötigt. Die Bedienungen in der Gastronomie empfanden wir allerdings als sehr „spröde“, sodass der weitere Abend anschließlich an Bord verbracht wurde.

14.9. – 4.Chartertag – Vitte nach Stralsund – 20 sm

Ein wunderschöner Sonnenaufgang und ein wolkenfreier Himmel weckten uns. Sollten wir direkt nach Stralsund fahren, oder doch noch einmal auf die Ostsee hinaus motoren, um  dort zu segeln? Die Entscheidung fiel für den direkten Weg, denn Stralsund lockt mit seinen Sehenswürdigkeiten, die am selben Tag noch in Angriff genommen werden sollten. Also fahren wir mit Motorkraft durch die enge Fahrrinne im KubitzerBodden der malerischen Silhouette der Hansestadt Stralsund entgegen. Im zentrumsnah gelegenen Yachthafen legen wir an und machen uns rasch landfein um die Altstadt zu erkunden.

Sehenswürdigkeiten: Stralsund ist UNESCO-Weltkulturerbe und bietet viel an historischer Bausubstanz.Im Hafen liegt das Schwesterschiff der Gorch Fock und es kann auch zwischen 10:00 und 18:00 besichtigt werden. Lohnenswert ist auch ein Besuch im Deutschen Meeresmuseum „Ozeaneum“ (im Sommer täglich zw. 09:30 und 20:00 geöffnet) mit seinen Exponaten zum Meer und seinen Meeresbewohnern in zahlreichen imposanten Aquarien. Auch die ökologischen Probleme/Herausforderungen unserer Zeit werden anschaulich dargestellt.

Sanitäreinrichtungen im Hafen :  Der große Sportboothafen bietet saubere Sanitäreinrichtungen auf einem Schwimmponton. Bei voll belegtem Hafen dürfte die geringe Größe der Einrichtung aber zu Wartezeiten führen.

Gastronomie in der näheren Hafenumgebung: Wir wurden im „The Black Bull“ gut verköstigt, aber sicher gibt es weitere gute Lokale in geringer Entfernung zu erreichen.

14.9. – 5.Chartertag – Stralsund nach Barhöft – 26 sm

Am 4.Segeltag wollten wir endlich wieder segeln, denn dazu sind wir ja in den Norden gefahren. Also geht es wieder durch den Strelasund, den Kubitzer Bodden und zwischen Bock und Hiddensee hinaus auf die Ostsee. Freies Segeln vor Hiddensee ist angesagt und wir hatten viel Freude dabei. Bei Ostwind 5-6 und nur geringer Wellenhöhe ist das Segeln herrlich und wenn sich dann ein anderer Segler noch auf eine kleine Wettfahrt einlässt, kennt die Freude keine Grenzen. Zufrieden wieder gesegelt zu haben, aber mit Vorsicht ging es am Spätnachmittag zurück in den Barhöfter Hafen. Wir erlebten live, wie ein Segler, der sich offensichtlich bereits gegen Mittag im Reedebereich nördlich der Ansteuertonne vor der Barhöfter Rinne festgefahren hatte, erst um 23:00  durch einDGzRS - Rettungskreuzer freigeschleppt wurde. Alle anderen Bergeversuche durch Sportboote waren bis dahin erfolglos!

14.9. – 6.Chartertag – Barhöft nach Zingst – 21 sm

Am 5. Segeltag beschlossen wir uns langsam gen Heimathafen zu bewegen und dabei noch dem Badeort Zingst einen Besuch abzustatten. Gleich nach dem Ablegen stellten wir fest, dass sich unser GPS verabschiedet hatte. Es gab nur noch ein Standbild vom Barhöfter Hafen. Also stures Fahren ohne Unterstützung durch einen Kartenplott. Aber wir konnten noch einmal die schöne Natur genießen. Das Zusammenspiel von Sonne, Wolken und windgebäugtem Bewuchs auf den nur sanft aus dem Wasser hervortretenden Landmassen ist einfach wunderschön. Zahlreiche Wasservögel konnten beobachtet werden und manchmal wateten sie direkt neben der Fahrrinne im teilweise nur 20cm flachen Wasser. Das Anlegemanöver im Zingster Yachthafen erwies sich dann auch noch als etwas schwierig, da der Abstand der Dalben nicht gerade üppig ist. Bei auflandigem Wind und der gewöhnungsbedürftigen Manöverierfähigkeit unseres Bootes bei Fahrt achteraus, bedeutet dies ein etwas langsames und vorsichtiges „Finden“ unserer Box. Nachdem unser Boot sicher vertäut war, wurde der Ort erkundet. Auf der Seebrücke haben wir uns bei leichtem Regen von der Ostsee verabschiedet, denn am nächsten Tag sollte es durch den Bodden zurück in den Heimathafen Barth gehen.Die Nacht wurde stürmisch und der nette „Wetterfrosch“ auf Kanal 66 kündete einen heftigen Sturm für den kommenden Tag an.

Sehenswürdigkeiten: Ein typischer Badeort, der ein breites Spektrum touristischer Wünsche abdeckt.

Sanitäreinrichtungen im Hafen : Die sanitären Einrichtungen sind in einem Container untergebracht,simpel aber sauber.

Gastronomie in der näheren Hafenumgebung: Zingst hat ein großes gastronomisches Angebot und dies lässt sicher keine Wünsche offen. Gefallen hat uns das nette Wiener Kaffeehaus, in dem u.A. eine herrliche heißeSchokolade mit Rum angeboten wurde.

14.9. – 6.Chartertag – Zingst nach Barth  - 7 Sm

Die Nachte wurde zwar stürmisch und unser Schiff lag etwas unruhig in der Box, aber dann folgte gegen alle Ankündigungen ein schöner Morgen mit Wind 5-6 und auch die Sonne zeigte sich. Unter Motor ging es durch die Fahrrinnen zurück nach Barth. Zunächst betankten wir unser Schiff im westlichen Teil des Yachthafens an einer Werfttankstelle und dann ging es zurück zumAnleger vor dem Speicher-Hotel, von wo wir auch vor einer Woche gestartet waren.

110 Sm lagen hinter uns, davon leider 73 Sm unter Motor. Mannschaft gesund und  munter und kein Schaden an unserem Boot - dachten wir.

Unser Stützpunktleiter nahm uns in Empfang und tauchte selbst das Unterwasserschiff ab. Dabei stellteer eine vermeintliche Beschädigung des Schwertes fest. Aus unserer Sicht konnte kein wirklicher Schaden bei der Grundberührung vor Barhöft entstanden sein, denn das Schwert war zu 2/3 gefiert und der Grund war schlammig und nicht unrein. Fotos wurden nicht in unserem Beisein gemacht, sondern erst zwei Wochen später nachgereicht. Die Fotos waren unscharf, ohne Datum, angeblich vor und nach der Reparatur gemacht. Auf unsere anschließende Nachfrage gab es auch keine Aussage, ob und wann zuvor an gleicher Stelle eine Reparatur bereits einmal erfolgt ist.

Wir konnten nicht verhindern, dass von unserer Kaution pauschal 150€ zur Schadensbehebung einbehalten wurden. Auch auf nochmalige Aufforderung, uns die gewünschten Nachweise zur Verfügung zu stellen, bekamen wir nicht einmal mehr eine Antwort. Aus unserer Sicht passt darauf am besten die Beschreibung eines Schwaben, der sich betrogen fühlt, es aber nicht beweisen kann: Der Vorgang hat schlichtweg ein „Geschmäckle“ und wird uns sicher von einer nochmaligen Charter in diesem Hafen abhalten.

(Anmerkung von PCO: Wir haben mit dem Stützpunkt Kontakt zu dieser Frage aufgenommen und der Stützpunktleiter, mit dem wir seit 1999 vertrauensvoll zusammen arbeiten, hat uns versichert, dass der Schaden neu war. Er hat die Macke im Schwert, die durch Scheuern entstand, zunächst provisorisch repariert. Dies ist aus unserer Sicht glaubwürdig und gerade bei einer Grundberührung wie geschildert absolut logisch. Er wird sich mit der Crew nochmals in Verbindung setzen)

 

14.9. – 7.Chartertag – von Bord und Heimfahrt

Die Heimreise am folgenden Tag führte uns nicht auf der kürzesten Strecke nach Hause, sondern noch über die Meininger Brücke und den Darß und das Fischland zurück nach NRW. Für jeden, der diese Landschaft und seine malerischen kleinen Orte nicht kennt, ein Muss.

Es war eine schöne Fahrt mit neuen Eindrücken und Erkenntnissen, wobei die Segelei etwas zu kurz gekommen ist.

Ulrich Scheithauer
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Veröffentlich von PCO am 18.11.2015
(Besten Dank Herrn Scheithauer und seiner Crew!)